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Film

Kino in Kanada

Viele unterschiedliche kulturelle Einflüsse haben den kanadischen Film geprägt, und es ist sinnvoll, von der kanadischen Filmkultur im Plural zu sprechen: Von anglo- und frankokanadischen Filmen, Filmen der Einwanderer oder Filmen der First Nations und Inuit. Sie alle sind nicht als monolithische, in sich geschlossene Filmkulturen, sondern als als kulturell bewegliche Stellungnahmen zu verstehen, die der kanadischen Filmszene ein spezifisches, heterogenes Profil verleihen.

Die Geschichte des Films von 1930 bis 1960

Das frühe Filmschaffen in Kanada war geprägt von der Blüte des kulturell prägenden und kommerziell erfolgreichen Hollywood-Kinos. Erst in den 1930er Jahren entwickelten sich die ersten Ansätze eines eigenen Filmschaffens. Bis dahin war die Infrastruktur für Filmverleih und -produktion fast ausschließlich in US-amerikanischem Besitz. Um dieser Marktdominanz etwas entgegensetzen und nicht nur wirtschaftlich zu bestehen sondern auch ein eigenständiges kulturelles Profil entwickeln zu können, waren kanadische Filmemacher schon früh dazu gezwungen, kreative Nischen zu finden. Sie fanden ihre eigenen Themen und entwickelten Genres weiter, die von Hollywood vernachlässigt wurden. So sind es zunächst Dokumentar-, Animations- und Kurzfilme, die Kanada zu einer ersten Blüte bringen. An der filmischen Expertise in diesem Bereich hat sich bis heute nichts geändert: Kanadische Filmemacher sind in diesen drei Sparten auf internationalen Festivals stets präsent und sind nach wie Pioniere dieses Genres.

NFB_logo_ONF1939 wurde der National Film Board of Canada (NFB /ONF) gegründet mit dem Ziel, dem kanadischen Film nicht nur ein künstlerisches Forum zu geben, sondern auch finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Begründer des NFB war John Grierson (1898-1972), Vater des britischen Dokumentarfilms. Die kanadische Regierung hatte ihn ein Jahr zuvor gebeten, einen Bericht über das Filmschaffen in Kanada zu verfassen. Der Bericht beinhaltete die Empfehlung, eine nationale Institution zur Förderung und Dokumentation des kanadischen Films ins Leben zu rufen. Das House of Commons genehmigte diesen Plan und John Grierson wurde mit der Gründung des National Film Board of Canada beauftragt.
Anders als in der mit privaten Mitteln finanzierten Fernsehfilm-Produktion, die einen wichtigen Sektor der kanadischen Wirtschaft darstellt, wurden die Filmförderungsstrukturen des NFB zu einer der wichtigsten Finanzierungsquellen für kanadische Filmschaffende. Vor allem Dokumentar- und Animationsfilmer fanden (und finden) hier eine Heimat, und der künstlerische Rückenwind, den diese Genres vom NFB erhält, erklärt den großen Erfolg entsprechender Produktionen aus Kanada.

Telefilm_logoDie Blüte des kanadischen Kinofilms begann gegen Ende der 60er Jahre. 1967 wurde Telefilm Canada gegründet. Das Unternehmen schuf eine Förderstruktur größeren Ausmaßes (Bis 1984 hieß der Konzern Canadian Film Development Corporation). Zwar war man nicht in der Lage, Mittel für aufwendige Großproduktionen bereitzustellen, konnte jedoch eine Anzahl überschaubar dimensionierter Filme für die große Leinwand fördern. Kommerzielle Kinofilme und Arthouse-Produktionen aus Kanada wurden marktfähig.

Die Etablierung des kanadischen Films

Der National Film Board of Canada wurde in erster Linie als ein Kreativ-Pool ins Leben gerufen, der künstlerisch wertvolle Filme von der Entstehungsphase über die Produktion bis zur Distribution begleitet. Nach wie vor sind es vor allem die weniger massenkompatiblen Genres, derer man sich hier annimmt, wobei auch eine begrenzte Zahl an Spielfilmen im Arthouse-Format gefördert wird. Das Klima einer weitgehenden künstlerischen Freiheit, in dem Regisseure, Produzenten und Drehbuchautoren hier arbeiten können, hat eine äußerst experimentierfreudige Szene heranwachsen lassen. Tatsächlich ist der Einfluss eines durch den NFB repräsentierten kreativen Geistes in der kanadischen Filmkultur insgesamt zu spüren.

Schon lange gehört Kanada zu den Ländern, die nicht zuletzt in Europa auf großes Interesse stoßen. Die hybride Filmkultur nördlich des 46. Breitengrads wird vom Arthouse-Publikum wie auch von Fachleuten geschätzt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Filme aus Kanada sich oft genre-untypisch präsentieren. Der Zuschauer sieht sich mit einem Erzählrhythmus und einer Formensprache konfrontiert, die sich heraushebt und gleichzeitig doch Themen aufgreift, die auch einem im europäischen Kinokontext sozialisierten Publikum vertraut sind.

Der frankokanadische Film

Eine Besonderheit Kanadas ist seine Zweisprachigkeit. Auch im Filmschaffen halten sich anglo- und frankokanadische Produktionen die Waage. Das ist insofern bemerkenswert, als der frankokanadische Film fast ausschließlich in Québec produziert wird und somit territorial gesehen weit weniger stark vertreten ist, als der anglokanadische Film. Wenn auch längst nicht alle Filme in den europäischen Verleih gelangen, ist das Interesse an Filmen aus Québec in der Frankophonie erheblich gestiegen. Freunde des französischsprachigen Kinos konnten in der Vergangenheit vor allem im Rahmen von Festivals frankokanadische Filme sehen. Inzwischen sind Filme von Regisseuren wie Robert Lepage oder Denys Arcand auch einem breiten Publikum bekannt.

2004 konnten zwei außerhalb Kanadas noch relativ unbekannte Regisseure große Erfolge im europäischen Kino feiern: Emile Gaudreault mit Mambo Italiano und Jean-Francois Pouliot  mit La grande séduction. Mambo Italiano beinhaltet typische Merkmale anderer international erfolgreicher Cultural-Clash-Komödien. La grande séduction bietet eine Synthese von sozialer Problematik und schrägem Humor mit viel Eigensinn.

Kanadische Filmemacher

Kanadische Regie-Altmeister sind Norman Jewison (*1926), Claude Jutra  (1930–1986) und Donald Shebib (*1938). Heute prägen Regisseure wie David Cronenberg (*1943), Atom Egoyan (*1960) oder Robert Lepage (*1957) das Bild des kanadischen Films im Ausland.

Norman Jewison hat lange in den USA gearbeitet, aber viele kanadische Filmemacher beziehen sich mit ihrer Arbeit explizit auf seine Zugangsweise zum filmischen Erzählen. Er drehte Cincinnati Kid (1965), The Thomas Crown Affair (1968) oder Moonstruck (1987). Jewison kommt nicht nur wegen seines filmischen Oeuvres Bedeutung zu, sondern auch wegen seines Engagements für den kanadischen Film und der Nachwuchsförderung. Mit der Talentschmiede Canadian Film Center hat er in Toronto eine Institution ins Leben gerufen, die einen festen Platz im kanadischen Filmschaffen einnimmt.

Claude Jutra war stilprägend für das kanadische Filmschaffen der 1970er Jahre. Er griff Einflüsse der Nouvelle Vague auf und gilt als ein wichtiger Vertreter des cinéma vérité. Seine Filme begründeten mit ihrer radikalen Subjektivität eine völlig neue, sehr direkte Erzählweise und machten zugleich das Medium zu einem Ausdruckmittel sozialer und kultureller Befindlichkeiten. Sein berühmtester Film, Mon oncle Antoine, war 1971 der erste kanadische Film, der mit einer rein frankokanadischen Besetzung und Crew gedreht wurde. Auch in ästhetischer Hinsicht war der Film revolutionär und spiegelte den mit nationalen Gefühlen aufgeladenen gesellschaftlichen Diskurs seiner Zeit wider.

Don Shebib hatte 1970 bereits mit Goin‘ down the Road quasi das anglophone Gegenstück zu Mon oncle Antoine gedreht. Wie Jutra verzichtete Shebib weitgehend auf künstliche Hilfsmittel zugunsten einer größtmöglichen Authentizität. Shebib und Jutra haben damit im Geiste der französischen nouvelle vague viele Entwicklungen vorweggenommen, die im dänischen Dogma-Kino der 90er und 2000er Jahre eine Neuinterpretation erfuhren.

Denys Arcand zählt seit der Oscar-Nominierung seines Films Der Untergang des Amerikanischen Imperiums (Le déclin de l´empire américain, 1986) zu den international bekannten frankokanadischen Regisseuren. Die Fortsetzung dieses Films, Die Invasion der Barbaren (Les invasions barbares, 2003), wurde 2004 mit dem Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film ausgezeichnet. Beide Filme beschreiben die Rücksichtslosigkeit, mit der eine Gruppe Intellektueller bei der Verfolgung ihrer Ziele zu Werke geht. Arcand dekliniert Verhaltensweisen zwischen Liebe, Leben und Politik und kommentiert zugleich die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Kanada. Der zynisch-bissige Ton der achtziger Jahre in Le déclin  ist beim Wiedersehen mit dem bereits bekannten Personal in Les invasions einer heiter-ironischen Betrachtungsweise gewichen, die dem veränderten Lebensstil der Protagonisten zu Anfang des 21. Jahrhunderts entspricht. Zu weiteren bekannten Filmen von Arcand gehört vor allem Jesus of Montreal (1989).

Cover_Cronenberg_ConsumedDavid Cronenberg gehört zu den bekanntesten kanadischen Regisseuren und ist zugleich einer jener Filmemacher, deren Werk in Kanada wegen seiner offenen Thematisierung von Gewalt heftig umstritten war und ist. Cronenberg beschreibt in seinen Filmen das Ausgeliefertsein des Menschen sich selbst und seiner Umwelt gegenüber. Die teilweise surreal angelegten Sujets kreisen dabei um das Verhältnis von Mensch und Technik oder um eine Gegenüberstellung von (zivilisierter) Gesellschaft und (unkontrollierbarer) individueller Triebhaftigkeit, die er in Bildern sexueller oder gewalttätiger Exzesse zeigt. Sein Film Crash wurde 1996 in Cannes ausgezeichnet, eXistenZ bei der Berlinale 1999. 2007 erhielt Cronenberg beim Filmfest Hamburg bei der Aufführung Tödliche Versprechen – Eastern Promises den Douglas-Sirk-Preis als ein Regisseur, „der konsequent grenzüberschreitende, irrationale, verstörende Filme dreht. Vom Publikum und von der Kritik teils bejubelt und teils verrissen, provoziert er eine gesunde Polemik, die dem Kino – wie allen Künsten – immer zugutekommt“. (Albert Wiederspiel). 2012 war Cronenberg mit Cosmopolis im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes vertreten.
Im S. Fischer Verlag erschien 2014 sein erster Roman Verzehrt (Consumed, Penguin Canada, 2014). Lesen Sie mehr über das Buch auf unserer Literatur-Seite.

Atom Egoyan  gilt a ls einer der wichtigsten internationalen Autorenfilmer. In seinen stilistisch einprägsamen Filmen gibt es hinter dem Gezeigten stets eine zweite Bedeutungsschicht zu entdecken, die häufig eine Dysfunktionalität der Beziehungen seiner Protagonisten zueinander andeutet. In verstörenden Bildern, die mit poetisch gezeichneten Landschaften kontrastieren, werden versteckte Gefühle wie Einsamkeit, Angst und Trauer bloßgelegt. So zum Beispiel in The Sweet Hereafter (1997), den Egoyan mit einem Unfall beginnen lässt, bei dem alle Insassen eines Busses – fast ausschließlich Schulkinder – ums Leben kommen. Der Film zeigt die Versuche einer von dem Unglück betroffenen Dorfgemeinschaft, das Geschehen zu bewältigen. Bekannt geworden ist Egoyan bereits Ende der 80er Jahre mit Speaking Parts (1989) und The Adjuster (1991). Es folgten Exotica (1994) oder Ararat (2002), der 2003 im Wettbewerb der Berlinale gezeigt wurde. 2005 erhielt Egoyan die Palme d'Or nomination de Cannes für Where the Truth Lies, 2008 für Adoration. The Captive war 2014 im Wettbewerb von Cannes zu sehen.

Zacharias Kunuk gilt als einer der Hoffnungsträger des indigenen Films. Gleich für sein Spielfilm-Debut Atarnajuat – The fast Runner (2000) erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Das Toronto International Film Festival zeichnete Atarnajuat 2001 als besten kanadischen Kinofilm aus, in Cannes gewann er die Goldene Kamera und 2002 vier Genie Awards, den Claude Jutra Award für die beste Regie, den besten Schnitt und den besten Film. Von seinem Filmkollektiv Igloolik Isuma Productions produziert, ist Atarnajuat der erste kanadische Spielfilm, der von Inuit geschrieben, produziert, inszeniert und gespielt wurde.

Robert_LepageRobert Lepage  wurde vor allem als Theaterregisseur und Schauspieler international bekannt. Auch in seinen Filmen präsentiert er eine ungewöhnliche, meisterhafte Bildgestaltung. Sein Drama La Face cachée de la lune produzierte er 2003 als Film, für den er bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2004 in der Sektion Panorama den FIPRESCI-Preis erhielt. Erzählt vor dem Hintergrund eines kosmonautischen Wettlaufs zwischen den USA und der ehemaligen Sowjetunion, ist der Film eine ebenso poetische wie skurrile Reflexion über die Frage, ob die Menschheit im All die einzige ihrer Art ist. Andere bekannte Filme von Lepage sind The Confessional (1995) und Le Polygraphe (1996). 1998 wurde Nô beim Toronto International Film Festival als bester kanadischer Kinofilm ausgezeichnet.

Jean-Francois Pouliot feierte mit seinem Debütfilm Die große Verführung (La grande séduction, 2003) große Erfolge im europäischen Kino. In dieser Komödie erzählt Pouliot vor dem Hintergrund sozialer Probleme wie Massenarbeitslosigkeit und Landflucht die Geschichte eines Dorfes auf einer Insel in der Provinz Québec. La grande séduction brach an den Kinokassen in Québec sämtliche Rekorde und verwies US-amerikanische Blockbuster wochenlang auf die Plätze.

Der Experimentalfilm

Das Genre des Experimentalfilms hat in Kanada eine lange Tradition. Bekannteste Vertreter sind Guy Maddin, Michael Snow, Mike Hoolboom und Peter Mettler.

Guy Maddin, 1956 in Winnipeg geboren, verwendet in seinen Filmen eine außergewöhnliche Bildsprache, die sich an die Ästhetik expressionistischer Stummfilme der Zwanziger Jahre anlehnt. Odilon wurde beim Toronto International Film Festival 1995 als bester kanadischer Kurzfilm ausgezeichnet, 2002 erhielt Maddin einen Genie Award für The Heart of the World. Sein Stummfilm Brand Upon the Brain! (2006) wurde bei vielen Aufführungen mit Live-Begleitung eines Orchesters, von Geräuschemachern, einem Sänger und einem Erzähler gezeigt. Zu den Live-Erzählern gehörten unter anderem Isabella Rossellini, Laurie Anderson, Eli Wallach und Guy Maddin selbst. 2011 wurde er in die Wettbewerbsjury der 61. Internationalen Filmfestspiele von Berlin berufen.

Michael Snow, 1929 in Toronto geboren, ist einer der vielseitigsten kanadischen Künstler und auch dem deutschen Publikum in allen Disziplinen vertraut: Als Filmregisseur, Experimental-Filmemacher, Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Fotograf und Jazz-Musiker. Mit seinen vielfach preisgekrönten Werken prägte Snow die ästhetisch-konzeptionelle Weltsicht ganzer Generationen. Nach seinem ersten Film A to Z (1956) war es vor allem Wavelength (1966/67), der die auf Hollywood-Standards eingestellten Sehgewohnheiten in Frage stellte. Snow gestaltete seine Filme bewußt ohne narrative Struktur und Dramaturgie, machte sichtbar, was außerhalb des Bildausschnitts zu sehen ist, und irritiere mit Abstraktion und Rücknahme bildnerischer Gestaltungsmittel.

Mike Hoolboom, 1959 in Toronto geboren, wurde mehrfach ausgezeichnet. Er arbeitet hauptsächlich mit der Videokamera, Super-8- und found-footage-Material.  Er war mit seinen Werken emhrfach bei der Berlinale vertreten. Peter Mettler, 1958 in Toronto geboren, ist vor allem mit The Top of his Head (1989) und Picture of Light (1994) bekannt geworden. In den 1980ern war er Kameramann der ersten zwei Filme von Atom Egoyan und der frühen Filme von Patricia Rozema, Bruce McDonald, Jeremy Podeswa und Ron Mann.

Der kanadische Animationsfilm

Norman McLaren (1914–1987) ist der große Pionier des kanadischen Animationsfilms.  In Schottland geboren, emigrierte McLaren 1939 nach Kanada. Er folgte einer Einladung John Griersons, für das National Film Board of Canada zu arbeiten. 1941 gründete er das renommierte Animationsfilmstudio des NFB.

Bei den ersten Berliner Filmfestspielen wurde McLaren 1951 für Begone Dull Care mit der Silbernen Plakette (Kultur- und Dokumentarfilm) ausgezeichnet. Der 1949 entstandene Film – mit Musik des kanadischen Jazzpianisten Oscar Peterson - ist direkt auf den Film gezeichnet. Für das Festival of Britain erstellte er 1951 zwei Animationsfilme als 3D-Film. McLaren gilt als Begründer der Pixilation-Technik , die er unter anderem in seinem Kurzfilm Neighbours angewandt hatte, der ihm 1953 einen Oscar einbrachte. Mit dem Etching-Stil entwickelte McLaren eine weitere neue Technik, mit der er Figuren nicht mehr auf Filmstreifen malte, sondern mit Rasiermessern einritzte und danach die Konturen und Flächen einfärbte. Mit dem in dieser Technik gestalteten Film Blinkity Blank gewann McLaren 1955 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme für den besten Kurzfilm.

Für den 1968 veröffentlichten Kurzfilm Pas de deux bearbeitete McLaren Realaufnahmen zweiter Balletttänzer mit einem optischen Printer. Durch die Wiedergabe des Tanzes in Zeitlupe und die Zerlegung, Vervielfachung und Überlagerung der Bewegungsabläufe in Einzelbilder erzeugte er einen Stroboskopeffekt. Pas de deux gewann 17 Filmpreise und gilt neben Neighbours als McLarens bekanntestes Werk. 2009 wurden McLarens Arbeiten in das Register des UNESCO-Weltdokumentenerbes aufgenommen.

Der NFB produziert weiterhin zahlreiche der besten Animationsfilme der Welt, einschließlich Koproduktionen mit dem privaten Sektor, zum Beispiel Chris Landreths Ryan (2005) und die norwegische Koproduktion The Danish Poet (2007) von Torill Kove, die beide mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Große Erfolge feierten in den folgenden Jahren der stop-motion Film Madame Tutli-Putli (2007)  von Chris Lavis und Maciek Szczerbowski, sowie Wild Life (2011) von Wendy Tilby und Amanda Forbis und Dimanche (2011) von Patrick Doyon, die alle für einen Oscar nominiert wurden.

Kanadische Animationsfilme sind in Deutschland äußerst beliebt und auf zahlreichen Festivals vertreten. Festivals wie das DOK Leipzig, das Filmfest Dresden und die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen organisieren regelmäßig Sonderprogramme und nominieren die neuesten kanadischen Animationsfilme für ihre Wettbewerbe.


Filme der First Nations und Inuit

Filmproduktionen der First Nations und Inuit haben für das europäische Publikum einen ganz besonderen Reiz.  Sie zeigen eine ganz eigene Zugangsweise zum Medium Film und eröffnen Einblick in die kulturelle Geschichte, in die Gesellschaft und in soziale Strukturen der Ersten Völker. Im Diskurs um soziale Gleichstellung und Anerkennung des kulturellen Erbes spielen diese Filme daher eine besonders wichtige Rolle.

Auf Begeisterung stieß der bereits erwähnte Film Atanarjuat – The fast Runner (2000)  von Zacharias Kunuk. Andere wichtige Filmproduktionen sind On the Corner (2003) von Nathaniel Geary und die Dokumentation Kaneshatake 270 Years of Resistance Zatka (1993) der bekannten Dokumentarfilmerin Alanis ObomsawinDance me outside (1994) von Bruce McDonald ist aufgrund seines Sujets und dessen Umsetzung bemerkenswert. Die Krimigroteske ist in einem Reservat angesiedelt und schildert die Lebensverhältnisse ebenso authentisch, wie sie indianische Klischees auch persifliert.

Festivals und Filmreihen

Kanadische Filme werden bei zahlreichen deutschen Filmfestivals gezeigt. Ganz besonders gilt dies für Animations-, Dokumentar- und Kurzfilmfestivals. Auch in der Sparte Spielfilm sind längst nicht mehr nur die Werke international bekannter Filmemacher wie Atom Egoyan oder David Cronenberg zu sehen.

Wichtige Festivals mit großer kanadischer Beteiligung im Bereich Spielfilm sind: 

Im Dokumentarfilmbereich ist Kanada regelmäßig auf folgenden Festivals vertreten:

Kanadische Animations- und Kurzfilme werden daneben auch unter anderem auf folgenden Festivals gezeigt:

 

Still: Maina


Im November 2014 präsentierten die Französischen Filmtage in Tübingen und Stuttgart als Sonderprogramm indigens Kino aus Kanada. Der Eröffnungsfilm Maïna (Foto) spielt in der Aktis (dem heutigen Nunavut) und setzt sich mit den Traditionen verschiedener Stämme auseinander. (©MFA FilmDistribution e.K.)

 

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Zuletzt geändert am:
2014-12-02